Nehmen wir einmal an, es gibt da einen Fußball-Verein in Deutschland, dessen Mitglieder in der Fanszene gerne als verrückt bezeichnet werden oder, wie Reiner Calmund es ausdrücken würde „positiv Bekloppte“.
Dieser Verein, nennen wir ihn einfach mal 1. FC Köln, hat mittlerweile zwar seinen Messias, aber was fehlt ist der verloren gegangene Sohn, der Prinz, seine Heiligkeit Lukas Podolski I.
Nachdem die zweijährige Verbannung in die undankbare Zweite Liga ein verdientes, wenn auch glückliches Ende gefunden hat, werden die Rufe nach dem Prinzen immer lauter. Zum einen deshalb, weil viele davon überzeugt sind, dass der Prinz eine echte Verstärkung im Kampf um den Klassenerhalt wäre. Zum anderen, weil zwischen Saisonende und Beginn der Europameisterschaft satte 3 Wochen liegen, die es zu überbrücken gilt.
Schon seit Monaten geistert in der virtuellen Heimat dieser „positiv Bekloppten“, dem Forum des 1. FC Köln, die Frage herum, ob der Prinz nicht vielleicht zurückkäme, schliesslich sei er unzufrieden und nur zweite Wahl im Land des Wurstfabrikanten Ulli H.
Irgendwann im Laufe der Monate kommen vereinzelte Benutzer des Forums auf die Idee, dass man ja für die Rückkehr des Prinzen einen kleinen Obolus leisten könne, damit der Verein nicht allzu tief in die Tasche greifen muss, beziehungsweise um die Rückkehr finanziell überhaupt erst möglich zu machen.
Einer dieser Benutzer ist nun besonders angetan von der Vorstellung, den Prinzen wieder im Trikot des richtigen Vereins zu sehen. Da ihm Fotomontagen und alte Aufzeichnungen irgendwann nicht mehr reichen, eröffnet er den „Ich würde für Lukas‘ Rückkehr zahlen-Thread“ um dort in Erfahrung zu bringen, ob man nicht vielleicht einen Betrag zusammenkratzen könnte, der diesen Traum der Realität ein wenig näher bringt.
Bereits wenige Stunden nach Eröffnung dieses besagten Threads haben die Forumsmitglieder unverbindlich mehrere tausend Euro Unterstützung zusammengetragen. So erscheint die ganze Aktion plötzlich nicht mehr als Hirngespinst sondern als wirkliche Option. Schnell kommen wirklich gute Ideen zusammen, vom Euro mehr pro Kasten Bier des Hauptsponsors über prominente Fans des 1. FC Köln bis zur Homepage à la „The Million Dollar Homepage“, auf der Werbeflächen für Sponsoren und Fans in Pixeleinheiten verkauft werden.
Auch hinter den Kulissen beraten sich die Benutzer, welches Konzept am besten wäre, was man beachten muss bezüglich der Steuern, wessen Berühmtheiten einen wohl unterstützen könnten und so weiter. Die ehemals fixe Idee ist auf dem besten Wege, zu einem ausgereiften Plan zu werden, der dann auch ausgeführt werden soll.
So weit, so gut.
Doch irgendwie scheint jemand von der Aktion Wind bekommen zu haben (was anhand der Tatsache, dass der Großteil in einem Forum geplant/diskutiert wurde, welches jedermann zugänglich ist, auch nicht verwunderlich ist), vermutlich gefällt ihm diese Idee gut, vielleicht, ja vielleicht ist er sogar auch einer der „positiv Bekloppten“. Nun sieht dieser jemand, nennen wir ihn aus Datenschutzgründen einfach MB, dass der „P-Plan“ (Daum über die Möglichkeit, Podolski zu verpflichten) im Forum bereits relativ große Wellen schlägt.
Jedoch ist nicht er derjenige, der auf die Idee gekommen ist. Im Falle eines erfolreichenTransfers entgingen ihm also die berühmten „15 Minuten Ruhm“.
Kurzentschlossen gründet er in einer Online-Community eine Gruppe, die das gleiche Ziel verfolgt. Schnell finden sich viele Mitglieder, die dieser Gruppe beitreten. Daran, nachzufragen, wer denn nun wirklich bereit wäre, Geld auszugeben, denkt man nicht.
Doch damit nicht genug. MB meldet sich bei der regionalen Boulevardpresse und berichtet stolz von „seiner“ Idee. Diese springt begeistert auf den Zug auf (bis zur EM dauert es ja immerhin noch fast eine Woche und Transfers, über die man berichten könnte, zeichnen sich auch nicht ab) und berichtet über MB und seine Gruppe.
Nun weiss also die Allgemeinheit auch Bescheid. Der Haken ist jedoch, dass es abgesehen von einem (unübersichtlichen) Internetauftritt in Form einer Gruppe in einer Community, in die man erst eingeladen werden muss, die also nicht auf einfachem Wege jedem zugänglich ist, keine Anhaltspunkte gibt. Weder gibt es eine Homepage, noch sind steuerrechtliche Aspekte geklärt oder ein entsprechendes Konto eröffnet. Was mit dem gespendeten Geld geschieht, falls der Transfer nicht zustande kommt, ist auch noch nicht bedacht.
Bildlich ausgedrückt hat MB den Bären verkauft, bevor er ihn geschossen hat.
Getrieben vom Wunsch, derjenige sein zu können, der die Rückkehr von Lukas Podolski ermöglichte, hat er der ganzen Aktion einen unwiderruflichen Schaden hinzugefügt, Anfragen nach der Kontonummer und einer Homepage können aufgrund der Tatsache, dass beides (noch) nicht vorhanden ist, nicht beantwortet werden.
Ein Dank an dieser Stelle an den Express, der schneller und heftiger reagierte als ein Teenager beim ersten Mal…
…to be continued…